• Zielgruppen
  • Suche
 

Biologiedidaktik

Was ist Biologiedidaktik?

Diese Frage wird uns oft gestellt. Unsere Antwort:

Biologiedidaktik ist die Lehre vom Lernen und Lehren der Biologie.

Dieser Satz wird in seiner Tragweite aber erst begreifbar, wenn Sie gelesen haben, was wir unter der Wissenschaft Biologie, dem Schulfach Biologie und der Wissenschaft Biologiedidaktik verstehen.

Biologie, die Wissenschaft

Für viele Menschen ist Biologie die Wissenschaft von den Lebewesen, worunter sie sich Tiere und Pflanzen vorstellen. Doch zum einen kennen Biologen neben Tieren und Pflanzen auch noch Pilze, Protisten, Bakterien und Archaeen. Und zum anderen gerät dabei aus dem Blick, dass das Pferd die Steppe, der Vogel die Luft und der Fisch das Wasser zum Leben braucht.

Biologen denken umfassend in Biosystemen, die in ihrer Gesamtheit als die Träger der Lebensprozesse angesehen werden. Nicht allein die Lebewesen sind belebt, vielmehr ist die Biosphäre der Erde belebt. Dieser Lebensbereich umgibt unseren Planeten wie eine dünne Haut, erreicht aber aus menschlicher Sicht eine achtbare Dicke von einigen Kilometern unter dem Land und den Ozeanen bis hin zu einigen Kilometern darüber. In dieser Biosphäre haben sich Lebewesen entwickelt, die den unterschiedlichen Bedingungen angepasst sind, die sich aber auch diesen Planeten angeeignet haben, sodass wir von einem Bioplaneten sprechen können. Biologie ist somit die Wissenschaft von der Biosphäre, ihren Strukturen mitsamt den Beziehungen und deren Geschichte.

Zum Weiterlesen:

Gropengießer, H. & Kattmann, U. (1995). Die Zukunft des Biologieunterrichts am Ende dieses Jahrtausends. In Buck, P. & Kranich, E.-M. (Hrsg.), Auf der Suche nach dem erlebbaren Zusammenhang. Beltz, Weinheim und Basel, 218-224

Gropengießer, H., Harms, U. & Kattmann, U. (Hrsg.). (2013). Fachdidaktik Biologie. Die Biologiedidaktik begründet von Dieter Eschenhagen, Ulrich Kattmann und Dieter Rodi. Hallbergmoos: Aulis Verlag, 9. Auflage

Biologie, das Schulfach

Was ist dann unter dem Schulfach Biologie zu verstehen? Nun - einerseits weniger als die Wissenschaft Biologie und andererseits mehr. Weniger, weil das in der Biologie angesammelte Wissen vom Umfang und der Schwierigkeit her in der Schule nicht zu bewältigen wäre; vor allem aber, weil nicht jedes biologische Wissen allgemein bildend ist. Mehr, auch deshalb, weil das Schulfach wichtige fächerübergreifende Aufgaben hat. Es sind dies die Bildung in den Bereichen Gesundheit, Sexualität, Frieden und Umwelt. Biologie in der Schule muss die Grenzen der Disziplin auch überschreiten, um sie dadurch zu markieren und der Reflektion zugänglich zu machen. Biologieunterricht soll somit eine biologische Weise der Welterschließung begreifbar machen. Im Biologieunterricht werden zudem auch Naturerfahrungen und Naturerlebnisse gestiftet. Es lässt sich dabei lernen, den Lebewesen und Naturobjekten behutsam und verantwortlich zu begegnen und mit den eigenen Gefühlen (z.B. Ekel) und denen anderer reflektiert umzugehen.

Das Schulfach Biologie zielt auf

  • ein durch naturwissenschaftliche Denk- und Arbeitsweisen geprägtes Verständnis der lebendigen Natur,
  • ein Verständnis der eigenen (menschlichen) Natur, nach dem der Mensch als soziales, Kultur schaffendes Wesen in der Natur gesehen wird,
  • das Kennen lernen der Wissenschaft Biologie als wichtiger Teil unserer wissenschaftsgestützten technischen Kultur und
  • das Kennen lernen und Beurteilen wesentlicher Anwendungsgebiete und zukünftiger Anwendungsmöglichkeiten biologischen Wissens.

Zum Weiterlesen:

Gropengießer, H. & Gropengießer, I. (1985). Ekel im Biologieunterricht. Unterricht Biologie 9, H. 106, 40-42

Gropengießer, H., Harms, U. & Kattmann, U. (Hrsg.). (2013). Fachdidaktik Biologie. Die Biologiedidaktik begründet von Dieter Eschenhagen, Ulrich Kattmann und Dieter Rodi. Hallbergmoos: Aulis Verlag, 9. Auflage

Biologiedidaktik, die Metawissenschaft

Biologiedidaktik ist die Wissenschaft vom Biologieunterricht. Diese Aussage ist allerdings nicht vollständig. Denn der Gegenstand der Biologiedidaktik ist nicht nur Biologieunterricht, sondern umfasst alle Situationen, in denen biologisches Wissen vermittelt wird, also auch Hochschulen, Erwachsenenbildung, Medien und informelle Bildungseinrichtungen, wie beispielsweise Science Center oder Naturschutzgebiete. Zu den Aufgaben der Biologiedidaktik gehören alle Aspekte der Vermittlung biologischen Wissens, ganz gleich, in welchen Institutionen sie stattfindet. Biologiedidaktik ist somit die Wissenschaft vom Lernen und Lehren der Biologie.

Das Wort Biologiedidaktik besteht aus drei Bestandteilen: bios, dem Leben; logos, dem Wort, der Lehre oder der Wissenschaft; und Didaktik, dem Lernen und Lehren. Aber weder ist Biologiedidaktik nur Biologie, noch ist sie ausschließlich Didaktik oder Erziehungswissenschaft. Sie ist auch mehr als eine Brücke zwischen der Biologie und der allgemeinen Didaktik. Biologiedidaktik ist sowohl Teil der Biologie, indem sie diese in ihrer eigenen Perspektive sieht, als auch Gegenüber der Biologie, indem sie in Vermittlungsabsicht kritisch deren spezifische Beiträge auf ihren allgemein bildenden Wert, auf ihre Entstehungs- und Verwertungszusammenhänge und auf ihre lebensweltlichen Verstehensmöglichkeiten hin untersucht. In diesem Sinne ist Biologiedidaktik eine Metawissenschaft, befasst mit der Reflektion und Vermittlung von Biologie.

Biologiedidaktik begründet die Auswahl und Anordnung der für die jeweiligen Lerner relevanten Inhalte. Für die Entwicklung und die Bestimmung eines angemessenen Wissens für den Vermittlungsprozess vergleicht die Biologiedidaktik das lebensweltliche Wissen der Lerner mit dem fachlich geklärten Wissen der Biologen. Nach dem Unterricht oder anderweitiger Vermittlung untersucht und bewertet die Biologiedidaktik den Lernerfolg.

Als Forschungsrahmen für diese Aufgaben verwenden wir das Modell der Didaktischen Rekonstruktion und eine erfahrungsbasierte Verstehenstheorie. Wir betreiben Biologiedidaktik als empirische Wissenschaft und erforschen besonders die Lernvoraussetzungen (Vorstellungen, Einstellungen, Interessen und Gefühle) der Lerner, sowie deren Lernprozesse (Lernpfade, -möglichkeiten, -schwierigkeiten) mit den didaktisch rekonstruierten Lernangeboten. Ziel ist die Verbesserung des Lernens und Lehrens der Biologie.

Zum Weiterlesen:

Gropengießer, H. (2003). Lebenswelten. Denkwelten. Sprechwelten. Wie man Vorstellungen der Lerner verstehen kann. Didaktisches Zentrum, Oldenburg (Band 4 BzDR Beiträge zur Didaktischen Rekonstruktion)

Kattmann, U., Duit, R., Gropengießer, H. & Komorek, M. (1997). Das Modell der Didaktischen Rekonstruktion - Ein theoretischer Rahmen für naturwissenschaftsdidaktische Forschung und Entwicklung. Zeitschrift für Didaktik der Naturwissenschaften 3, H. 3, 3-18

Gropengießer, H., Harms, U. & Kattmann, U. (Hrsg.). (2013). Fachdidaktik Biologie. Die Biologiedidaktik begründet von Dieter Eschenhagen, Ulrich Kattmann und Dieter Rodi. Hallbergmoos: Aulis Verlag, 9. Auflage

Spörhase-Eichmann, U. & Ruppert, W. (2004). Biologie-Didaktik. Cornelsen Verlag Scriptor, Berlin

Biologiedidaktik, Zentrum des Studiums

Was ist die spezifische Kompetenz von Biologielehrern? Ist es die biologische Kompetenz? Ganz sicher ist biologische Kompetenz unverzichtbar, und das erworbene Wissen sollte erschließungs- und anschlussfähig organisiert sein. Eine solche biologische Kompetenz ist aber nicht spezifisch für Biologielehrer - andere Biologen haben diese erst recht. Ist es das Wissen über Biologie, also das Metawissen um naturwissenschaftliche Denk- und Arbeitsweisen oder um die Entstehung und Entwicklung zentraler biologischer Theorien und Konzepte? Bei diesem unterrichtsrelevanten Wissen können Biologielehrer anderen Biologen etwas voraushaben, aber es ist der Forschungsgegenstand der Wissenschaftshistoriker und -theoretiker. Ist es dann die allgemeine didaktische Kompetenz, die spezifisch für Biologielehrer ist? Ganz sicher sind Kompetenzen, wie sie in den Erziehungswissenschaften, der Psychologie oder der Soziologie zur angeboten werden, unerlässlich. Aber solche didaktischen Kompetenzen haben andere Lehrer und Pädagogen auch. Die spezifische Kompetenz von Biologielehrern liegt viel mehr in der Gestaltung von Aneignungs- und Vermittlungsprozessen, die biologisches Wissen im weitesten Sinne betreffen.

 

Wir Biologiedidaktiker möchten Sie auf ihrem Weg zu Experten für das Lernen und Lehren von Biologie begleiten. Deshalb sind unsere Seminare und Praktika auch interaktive Veranstaltungen, in denen Studierende eigene Lehrerfahrungen machen. Die Planung, Durchführung und Reflektion eigener Lehrversuche begleiten wir dabei freundlich und wohlwollend-kritisch. Einen noch stärkeren Praxisbezug bieten wir Ihnen als zukünftige Biologielehrerinnen und -lehrern in den von uns betreuten Fachpraktika. Wir Biologiedidaktiker lehren, wie biologisches Wissen angeeignet und vermittelt wird und möchten mit Ihnen diese zentrale Kompetenz von Biologielehrern entwickeln. Deshalb unser Leitgedanke: Biologie lehren lernen.

 

Zum Weiterlesen:

Duit, R., Gropengießer, H. & Stäudel, L. (Hrsg.) (2004). Naturwissenschaftliches Arbeiten. Unterricht und Material 5-10. Erhard Friedrich Verlag, Seelze-Velber

Gropengießer, H. & Kattmann, U. (2002). Das Schweigen der Fächer gebrochen: Wie kann die Trennung von Fachwissenschaft und Lehrerbildung in konsekutiven Studiengängen (BA/MA) vermieden werden? In Hinz, R., Kiper, H. & Mischke, W. (Hrsg.), Welche Zukunft hat die Lehrerausbildung in Niedersachsen? Schneider Verlag, Hohengehren